Interview: Nationale Landschaften

Fernsehen, Radio, Zeitungen – die Kameras und Mikrophone  richteten sich auf das UNESCO-Biosphärenreservat Schwäbische Alb. 330 Experten von Großschutzgebieten aus 35 Nationen trafen sich vom 21. bis 23. September in Bad Urach zur Europarc-Fachkonferenz.

Sphäre war dies Anlass für ein Gespräch mit Dr. Elke Baranek, Geschäftsführung des Europarc Deutschland. Der Besuch auf der Schwäbischen Alb bescherte Ihr „Eindrücke, die ich nicht so schnell vergessen werde“, bekannte sie im Interview.


Sphäre: Die Nationalen Naturlandschaften erleben derzeit ja ein ungemein großes Interesse seitens der Politik, finden Sie, dass der Naturschutzgedanke bei den Entscheidern nun ausreichend verankert ist?

Dr. Elke Baranek: Großes politisches Interesse ist für die Entwicklung der Nationalen Naturlandschaften unabdingbar. Leider relativiert es sich stark, wenn wir Lobbying in anderen Politikbereichen betrachten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass sich die Menschen vor Ort für ihre wertvollen  Landschaftsräume engagieren. Wir haben hier im Biosphärenreservat Schwäbische Alb ein unglaubliches Engagement für die Region und natürlich auch für die internationale EUROPARC-Federation-Tagung erlebt. Die Bandbreite ist weit, sie beginnt mit den vielen Helfern und reicht bis zu den Exkursionsbegleitern, die die Besonderheiten und Schönheiten ihrer Region sehr eindrucksvoll zeigten. Nicht zu vergessen die 15 Sponsoren und Förderer, darunter  der Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg e.V. (iste), der den Tagungsteilnehmern ein typisches Präsent in Form eines Ammoniten  aus den heimischen Steinbrüchen als Erinnerung mitgab.

Sphäre: Sind Sie als Geschäftsführerin der EUROPARC Deutschland e.V. mit den derzeitigen Gestaltungsmöglichkeiten zufrieden?

Dr. Elke Baranek: Selbstverständlich wünschen wir uns als Dachverband der Nationalen Naturlandschaften mehr Gestaltungsmöglichkeiten, sowohl für uns als auch für die von uns vertretenen Nationalparke, Biosphärenreservate und Naturparke. Leider ist das vor allem  eine Frage von Ressourcen und hier müssen wir beobachten, dass die finanziellen und personellen Ausstattungen der Gebiete in den letzten Jahren nicht besser geworden sind. Im Gegenteil, viele stehen vor der großen Herausforderung, mit weniger Personal und Finanzmitteln steigende Qualitätsansprüche in ihren Schutzgebieten zu erfüllen. „Qualität zählt – Gewinn für Natur und Mensch“ ist auch nicht zufällig das Motto dieser Konferenz. Die Vorträge, Präsentationen und Workshops sollten einen Austausch darüber ermöglichen wie Schutzgebiete weiterhin qualitativ hochwertig entwickelt werden können.

Sphäre: Es werden ja die Schutzgebietskategorien „Nationalpark, Biosphärenreservat, Naturpark“ wohl gemäß der Wertigkeit für den Naturschutz bewusst in dieser Reihenfolge so genannt. Kommt aber nicht einem Biosphärenreservat die tragende Rolle zu, da diese Großschutzgebiete insbesondere den Menschen und dessen Lebensraum nachhaltig prägen und beeinflussen können?

Dr. Elke Baranek: So pauschal lässt sich das sicher nicht festhalten. Mit jeder Schutzkategorie werden spezifische Ziele verfolgt, die auch das Mensch-Natur-Verhältnis einbeziehen. Das bedeutet beispielsweise, dass die überwiegenden Teile von Nationalparke nicht oder nur wenig vom Menschen beeinflusst werden sollen. Allerdings sollten auch Nationalparke mit ihrer Bildungsarbeit wichtige Beiträge zum Naturverständnis leisten. In Biosphärenreservaten spielen gelebte Nachhaltigkeitsstrategien sicher eine größere Rolle, weil zum einen mehr Nutzung möglich ist und sie zum anderen auch als Lernorte für Naturverständnis und nachhaltige Entwicklung gestaltet werden sollen. Naturparke haben schon aufgrund ihrer Ausdehnung, sie nehmen ca. ein Viertel der Landesfläche Deutschlands ein, eine große Bedeutung. Oft befinden sie sich in der Nähe großer Städte und bieten mit ihren vielfältigen Landschaften attraktive Ausflugs- und Naturerlebnismöglichkeiten.

Sphäre: Sind Sie mit der 3%-Regelung für Kernzonen in Biosphärenreservate zufrieden?

Dr. Elke Baranek: Die Frage stellt sich so nicht. Die Internationalen Leitlinien für Biosphärenreservate geben eine Einteilung in Zonen vor, in denen dann die jeweiligen Ziele umzusetzen sind. In der Kernzone, das sind in Deutschland mind.  3% der Fläche soll die natürliche Gebietsentwicklung ohne unmittelbaren menschlichen Einfluss ermöglicht werden. Die Pflegezone umfasst mindestens 10 % der Fläche und dient dem Erhalt der traditionellen Kulturlandschaft.  Zur Entwicklungszone können auch Siedlungen und Städte gehören. Sämtliche Nutzen sollen hier den Prämissen nachhaltiger Entwicklung folgen.

Sphäre: Verständnisfrage: Sind alle Biosphärenreservate der Republik UNESCO-anerkannt? Beziehungsweise prüft und wacht die UNESCO auch über die Nationalparke? Im Ausland zumindest gibt es einige Biosphärenreservate ohne UNESCO-Label.

Dr. Elke Baranek: Mit dem MAB „Man and Biosphere“-Programm setzt die UNESCO weltweit den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen für alle  Biosphärenreservate und entwickelt ihn mit den über 100 beteiligten Ländern fort. Mit Hilfe der Nationalkomitees dieser Länder führt die UNESCO alle zehn Jahre eine Überprüfung der anerkannten Gebiete durch.

Sphäre: Sie besuchten ja im Rahmen der EUROPARC-Konferenz in Bad Urach das Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Welchen Eindruck konnten Sie gewinnen? Was hatte Sie am meisten begeistert? Wo sehen Sie die wichtigsten Handlungsschwerpunkte?

Dr. Elke Baranek: Es ist sehr schön, dass dieses sehr junge Biosphärenreservat die Ausrichtung der Tagung übernommen hat und mit einem sehr vielfältigen Exkursionsprogramm wunderbare Einblicke in die Landschaft ermöglicht hat. Ich persönlich hatte die Möglichkeit die Forschungsstation Randecker Maar e.V. zu besuchen und war beeindruckt, wie dort auf ehrenamtlicher Basis geforscht wird. Herr  Dr. Gatter berichtete uns als Exkursionsleiter nicht nur die Highligts der Forschungsstation, sondern erläuterte uns kenntnisreich und spannend die Besonderheiten des gesamten Gebietes. Insgesamt Eindrücke, die ich nicht so schnell vergessen werde.

Sphäre: Welchen Input für Ihre Arbeit konnten Sie von der Konferenz mitnehmen?

Dr. Elke Baranek: Die Konferenz  hatte natürlich viele unterschiedliche Facetten mit spannenden Diskussionen, die sich am Thema Qualität ausrichteten. Sie bot darüber hinaus Raum für viele  menschliche Begegnungen und Erfahrungsaustausche und natürlich Begegnungen mit der Region. Für mich wurde einmal mehr deutlich, dass Motivation für die Umsetzung einer Idee der wichtigste Schlüssel zum Erfolg ist. In diesem Sinne haben diese Tage in Bad Urach viele Impulse und Stoff für neue Ideen gegeben.

Sphäre: Gibt es Vorzeige-Nationen in Sachen Naturschutz und Nationalparke, von denen Deutschland unbedingt lernen muss oder müssen gar die anderen von Deutschland lernen?

Dr. Elke Baranek: Wenn es um Nationalparks geht gucken wir schon Richtung USA, die mit dem Yellowstone-Nationalpark bereits 1872 den erste Naturlandschaft unter Schutz gestellt haben. Das sind fast 100 Jahre mehr an Erfahrungen im  Bereich des großflächigen Naturschutzes. Allerdings ist nicht alles vergleichbar und erst recht nicht übertragbar. Das bedeutet, der Erfahrungsaustausch zwischen den Gebieten ist sehr wertvoll und muss unterstützt werden –  dafür stehen sowohl EUROPARC Federation als auch EUROPARC Deutschland als Dachverband mit ihren Aktivitäten.  Viele Herausforderungen zeigen sich allerdings erst in der Umsetzung und hier sind oft sehr individuelle Lösungswege erforderlich.

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